Ethernet nur 100 Mbit statt 1 Gbit: Fehler sicher finden

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Der Internetanschluss liefert mehrere hundert Megabit pro Sekunde, der Computer erreicht über das Netzwerkkabel aber kaum mehr als 90 bis 95 Mbit/s: Dieses Fehlerbild deutet häufig nicht auf eine gedrosselte Leitung, einen überlasteten Browser oder einen langsamen Downloadserver hin. Wahrscheinlicher ist, dass sich die beteiligten Geräte lediglich auf eine Ethernet-Verbindung mit 100 Mbit/s verständigt haben. Diese ausgehandelte Link-Geschwindigkeit bildet die technische Obergrenze zwischen Computer und Router beziehungsweise Switch. Selbst ein Gigabit-Internetanschluss kann sie nicht überschreiten. Die auffällig glatte Grenze ist deshalb ein wertvoller Hinweis. Schwankt ein Geschwindigkeitstest dagegen beispielsweise zwischen 180 und 450 Mbit/s, liegt das Problem eher beim Internetzugang, beim Testserver oder bei einer anderen Form der Auslastung.

Zuerst die ausgehandelte Link-Geschwindigkeit prüfen

Ein Geschwindigkeitstest misst nicht direkt, mit welcher Geschwindigkeit die Netzwerkkarte verbunden ist. Unter Windows lässt sich dieser Wert zuverlässiger über die PowerShell kontrollieren. Nach einem Rechtsklick auf das Startmenü wird das Terminal geöffnet und der Befehl Get-NetAdapter | Select-Object Name, Status, LinkSpeed eingegeben. In der Spalte „LinkSpeed“ sollte bei einem normalen Gigabit-Anschluss „1 Gbps“ erscheinen. Steht dort „100 Mbps“, ist der Engpass bereits zwischen Netzwerkkarte und dem unmittelbar verbundenen Netzwerkgerät entstanden. Der Internetanbieter spielt für diese Aushandlung keine Rolle. Microsoft beschreibt Get-NetAdapter als Werkzeug zum Abrufen der grundlegenden Eigenschaften eines Netzwerkadapters, zu denen auch der aktuelle Verbindungsstatus und die ausgehandelte Geschwindigkeit gehören.

Warum ein beschädigtes Kabel oft trotzdem funktioniert

Ein defektes Netzwerkkabel muss die Verbindung nicht vollständig unterbrechen. Genau das macht diesen Fehler so tückisch. Fast Ethernet mit 100 Mbit/s verwendet lediglich zwei der vier verdrillten Adernpaare eines üblichen Netzwerkkabels. Gigabit-Ethernet benötigt dagegen alle vier Paare beziehungsweise alle acht einzelnen Adern. Ist nur eine Ader unterbrochen, ein Kontakt im Stecker verbogen oder ein Adernpaar in der Netzwerkdose schlecht aufgelegt, kann die Gigabit-Verbindung scheitern, während eine stabile Verbindung mit 100 Mbit/s erhalten bleibt. Das Kabel wirkt dann auf den ersten Blick intakt: Webseiten öffnen sich, E-Mails werden abgerufen und Videostreams funktionieren. Erst bei größeren Downloads oder beim Kopieren umfangreicher Dateien fällt die Begrenzung auf. Cisco beschreibt diesen Unterschied ausdrücklich: 100BASE-TX arbeitet mit zwei Adernpaaren, während 1000BASE-T alle vier Paare benötigt.

Das Patchkabel mit einem eindeutigen Test ausschließen

Der schnellste Test besteht nicht darin, den vorhandenen Stecker mehrfach herauszuziehen und wieder einzustecken, sondern das komplette Kabel durch ein sicher funktionierendes, möglichst kurzes Patchkabel zu ersetzen. Der Computer sollte dafür vorübergehend direkt mit einem bekannten Gigabit-Port des Routers oder Switches verbunden werden. Steigt die Link-Geschwindigkeit anschließend sofort auf 1 Gbit/s, liegt die Ursache im ursprünglichen Kabel oder in einem Teil der bisherigen Verkabelungsstrecke. Die aufgedruckte Kategorie allein beweist dabei wenig. Auch ein Cat-6-Kabel kann beschädigte Kontakte, unsauber montierte Stecker oder intern gebrochene Adern besitzen. Intel empfiehlt bei einer auf 100 Mbit/s begrenzten Verbindung ebenfalls, sämtliche Steckverbindungen zu prüfen und den Computer testweise über ein einzelnes, nachweislich funktionierendes Kabel mit einem Gigabit-fähigen Port zu verbinden.

Netzwerkdose und Wandverkabelung getrennt untersuchen

Bleibt die direkte Verbindung zum Router schnell, während der Anschluss über eine Netzwerkdose nur 100 Mbit/s erreicht, befindet sich der Fehler wahrscheinlich in der festen Gebäudeverkabelung. Betroffen sein können sowohl die Dose im Arbeitszimmer als auch das Patchpanel, eine Kupplung im Verteiler oder das verlegte Kabel selbst. Besonders häufig wurden einzelne Adern nicht vollständig in die Schneidklemmen gedrückt oder die Belegung an beiden Enden unterschiedlich ausgeführt. Für Gigabit reicht es nicht, dass irgendeine elektrische Verbindung über acht Adern besteht. Die Adern müssen den richtigen verdrillten Paaren zugeordnet sein. Ein einfacher Kabeltester erkennt Unterbrechungen und Vertauschungen, aber nicht jede schlechte Kontaktstelle und nicht jedes aufgespaltene Adernpaar. Liefert ein anderes Gerät an derselben Dose ebenfalls nur 100 Mbit/s, während beide Geräte an einem anderen Anschluss Gigabit erreichen, ist die feste Verkabelung als Ursache weitgehend bestätigt.

Router, Switch und Zwischenstücke nicht übersehen

Zwischen Computer und Router befindet sich oft mehr Technik, als zunächst angenommen wird. Kleine Desktop-Switches, Powerline-Adapter, Wanddurchführungen, Überspannungsschutzmodule, Medienkonverter, USB-Netzwerkadapter und ältere Dockingstationen können die Geschwindigkeit begrenzen. Manche älteren Geräte besitzen tatsächlich nur Anschlüsse mit 100 Mbit/s. Bei anderen ist lediglich ein bestimmter Port beschädigt oder falsch konfiguriert. Deshalb sollte jeder Abschnitt der Verbindung einzeln geprüft werden. Ein anderes Kabel am selben Port testet das Kabel, ein anderer Port mit demselben Kabel testet den Anschluss, und eine direkte Verbindung unter Umgehung aller Zwischenkomponenten testet die gesamte restliche Kette. Entscheidend ist, immer nur eine Komponente zu verändern. Werden Kabel, Port und Adapter gleichzeitig ausgetauscht, funktioniert die Verbindung möglicherweise wieder, ohne dass die eigentliche Ursache erkennbar wird.

Auto Negotiation ist bei Gigabit normalerweise richtig

In den erweiterten Eigenschaften vieler Netzwerkkarten findet sich die Einstellung „Speed & Duplex“ beziehungsweise „Geschwindigkeit und Duplex“. Der naheliegende Versuch, hier manuell „1.0 Gbps Full Duplex“ auszuwählen, behebt einen Kabelschaden jedoch nicht. Kann die physische Verbindung Gigabit nicht zuverlässig übertragen, verschwindet nach dem Erzwingen der höheren Geschwindigkeit möglicherweise der gesamte Link. In anderen Fällen fällt der Adapter nach kurzer Zeit erneut auf 100 Mbit/s zurück. Für übliche Kupferverbindungen sollte die Einstellung deshalb auf „Auto Negotiation“ stehen. Netzwerkkarte und Gegenstelle handeln damit gemeinsam die höchste beiderseits unterstützte Betriebsart aus. Intel bezeichnet die automatische Aushandlung ausdrücklich als korrekte Einstellung für Gigabit-Geschwindigkeiten. Auch Microsoft führt Auto Negotiation als Standardwert für die Einstellung „Speed & Duplex“.

Treiberprobleme erst nach der Verkabelung untersuchen

Treiber können Netzwerkprobleme verursachen, sind bei einer exakt auf 100 Mbit/s begrenzten Verbindung aber seltener verantwortlich als Kabel, Stecker und Ports. Eine sinnvolle Treiberprüfung beginnt deshalb erst, nachdem der Computer mit einem kurzen, nachweislich funktionierenden Kabel direkt an einem Gigabit-Port getestet wurde. Anschließend kann im Geräte-Manager die genaue Bezeichnung der Netzwerkkarte ermittelt und der aktuelle Treiber vom Hersteller des Computers, Mainboards oder Netzwerkchips installiert werden. Ein wahlloses Entfernen aller Netzwerkgeräte oder ein vollständiges Zurücksetzen der Windows-Netzwerkeinstellungen ist selten der beste erste Schritt. Dadurch können gespeicherte Konfigurationen verloren gehen, während ein physischer Kontaktfehler unverändert bestehen bleibt. Zeigt derselbe Computer unter einem anderen Betriebssystem oder von einem Linux-Live-System gestartet ebenfalls nur 100 Mbit/s, wird ein reines Windows-Problem zusätzlich unwahrscheinlich.

USB-C-Docks und Netzwerkadapter richtig einordnen

Bei Notebooks sitzt der Ethernet-Anschluss häufig nicht mehr direkt im Gerät, sondern in einer Dockingstation oder einem USB-Adapter. Die Produktbeschreibung „Gigabit Ethernet“ garantiert nicht, dass diese Geschwindigkeit in jeder Anschlusskonfiguration erreicht wird. Ein Adapter kann an einem ungeeigneten USB-Port betrieben werden, über einen passiven Hub verbunden sein oder aufgrund eines instabilen Steckers neu aushandeln. Allerdings begrenzt eine langsame USB-Verbindung den Datendurchsatz nicht zwangsläufig dadurch, dass die Ethernet-Link-Geschwindigkeit auf 100 Mbit/s fällt. Zeigt Windows ausdrücklich einen 100-Mbit-Link, sollte weiterhin zuerst die Ethernet-Seite zwischen Adapter und Switch geprüft werden. Wird dagegen 1 Gbit/s als Link angezeigt, während reale Übertragungen deutlich langsamer bleiben, kommen USB-Anbindung, Dockingstation, Prozessorlast oder Treiber als Ursachen stärker infrage.

Ein lokaler Dateitransfer trennt LAN und Internet

Zeigt Windows bereits 1 Gbit/s an, erreicht ein Internettest aber weiterhin nur ungefähr 100 Mbit/s, muss zwischen einer langsamen lokalen Verbindung und einem langsamen Internetzugang unterschieden werden. Dazu wird eine große Datei zwischen zwei Computern im selben Netzwerk übertragen oder ein Werkzeug wie iPerf3 verwendet. Erreicht der lokale Test mehrere hundert Megabit pro Sekunde, funktionieren Netzwerkkarte, Kabel und Switch grundsätzlich mit Gigabit-Geschwindigkeit. Der Engpass liegt dann wahrscheinlich hinter dem Router, beispielsweise beim Internetvertrag, am WAN-Port, in einer Routereinstellung oder beim jeweiligen Testserver. Bleibt auch der lokale Transfer langsam, obwohl 1 Gbit/s als Link angezeigt wird, sollten Adapterstatistiken, Auslastung, Sicherheitssoftware und die Leistung des Speichermediums geprüft werden. Mit Get-NetAdapterStatistics lassen sich unter Windows unter anderem Fehler, verworfene Pakete und weitere Zähler der Netzwerkkarte auslesen.

Was eine wechselnde Link-Geschwindigkeit verrät

Springt die Verbindung nach dem Neustart gelegentlich auf 1 Gbit/s und später wieder auf 100 Mbit/s zurück, spricht das besonders stark für ein physisches Problem. Temperaturänderungen, Bewegung am Kabel, Zug auf dem Stecker oder ein leicht oxidierter Kontakt können genügen, damit eines der benötigten Adernpaare zeitweise ausfällt. Auch ein stark geknicktes Kabel oder eine beschädigte Rastnase kann dazu führen, dass der Stecker nicht mehr gleichmäßig in der Buchse sitzt. Ein Softwarefehler verhält sich häufig reproduzierbarer, während Kontaktprobleme scheinbar zufällig auftreten. Ein hilfreicher Test besteht darin, die Link-Geschwindigkeit während einer vorsichtigen Bewegung des Kabels am Stecker zu beobachten. Bricht die Verbindung dabei ab oder wird neu ausgehandelt, sollte das betreffende Kabel nicht weiterverwendet werden.

Warum 100 Mbit trotz Gigabit-Hardware auftreten können

Für eine Gigabit-Verbindung genügt es nicht, dass der Computer eine Gigabit-Netzwerkkarte besitzt. Jede Komponente entlang des Übertragungswegs muss die höhere Geschwindigkeit unterstützen und technisch einwandfrei funktionieren. Dazu gehören der Netzwerkanschluss des Computers, das Patchkabel, eine mögliche Wandverkabelung, das Patchpanel, ein Switch sowie der verwendete Router-Port. Die Verbindung richtet sich stets nach dem schwächsten oder fehlerhaften Abschnitt. Ein 2,5-Gigabit-Adapter am Computer hilft deshalb nicht, wenn ein alter 100-Mbit-Switch dazwischensteht. Umgekehrt kann ein moderner Switch eine beschädigte Kabelstrecke nicht ausgleichen. Gigabit-Ethernet über Kupfer verwendet vier verdrillte Adernpaare und ist bei geeigneter Verkabelung bis zu einer Strecke von 100 Metern vorgesehen. Auch dazwischenliegende Dosen und Anschlussfelder müssen die erforderliche Verkabelungsqualität einhalten.

Die sinnvollste Reihenfolge spart unnötige Eingriffe

Eine zuverlässige Fehlersuche beginnt mit der Anzeige der Link-Geschwindigkeit und nicht mit einem neuen Treiber. Stehen dort 100 Mbit/s, wird der Computer zunächst mit einem kurzen, geprüften Kabel direkt an einen bekannten Gigabit-Port angeschlossen. Danach werden nacheinander der ursprüngliche Switch-Port, das Patchkabel, mögliche Zwischenadapter und schließlich die feste Wandverkabelung wieder einbezogen. „Speed & Duplex“ bleibt währenddessen auf automatischer Aushandlung. Erst wenn die direkte Testverbindung ebenfalls bei 100 Mbit/s bleibt, werden Netzwerktreiber, Adaptereinstellungen und die Hardware des Computers untersucht. Durch dieses schrittweise Vorgehen lässt sich der betroffene Abschnitt eindeutig eingrenzen. In vielen Fällen verschwindet das vermeintlich komplizierte Windows- oder Internetproblem bereits durch den Austausch eines einzigen Kabels.

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